FABTalks #19
Care Labels
Wie viel Care für unseren Planeten steckt hinter den Symbolen?

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Die Idee hinter den FAB Talks ist, erfrischende Fashion-Talks in einem inspirierendem Umfeld mit Business-Networking auf innovative Weise zu verknüpfen, um damit spannende Diskussionen zum Thema Mode anzuregen und offene Fragen von Experten klären zu lassen. Die Vision ist es, ein interdisziplinäres Netzwerk aufzubauen und langfristig auch gemeinsam Projekte anzustoßen und umzusetzen.

Am 03. Dezember 2018 stand eine neue Runde FABtalks an und wieder ging es in eine neue Stadt in Deutschland. Im geschichtsträchtigen Kasenmattensaal des Eventgewölbe brachten wir ein spannendes Thema nach Dresden: Care Labels – mit der Leitfrage “Wie viel Care steckt hinter den Symbolen?”. Eingeleitet wurde der Abend  mit einigen Infos zur Location von Clemens Lutz. Anschließend stellte Andrea Bury das Konzept hinter den FABTalks und der ABURY Collection vor.

Bevor der erste Vortrag anfing, erhielten die Gäste noch eine musikalische Einlage von “Ju von Dölzschen”

Nachhaltige Mode und das Care Label Project

Elisabeth Lokai-Fels, Pressesprecherin von AEG, führte die Gäste in das Thema des Abends ein. Da sich viele Menschen noch von alten Waschmythen und veralteten Waschsymbolen verunsichern lassen, ist der richtige Umgang mit neuen Klamotten nach dem Kauf wegweisend. Doch auch wenn es mittlerweile Outdoor-Programme, Woll-Programme und Seide-Programme etc. gibt, waschen viele Konsumenten noch mit der Hand statt der Waschmaschine zu vertrauen. Wie sorgt man also nun dafür, dass das Lieblingsstück so lange wie möglich hält und die Wäsche nachhaltiger gepflegt wird?

Diese Frage wurde von ABURY mit dem Care Label Project der AEG verbunden: Care Labels sind teilweise bis zu 60 Jahre alt und führen oft zu Missverständnissen. Durch Fehlinformationen auf den Labels (die nicht dem heutigen Technikfortschritt der Waschmaschinen und -trockner angepasst sind) werden Kleidungsstücke oft nicht korrekt gepflegt. Das Care Label Project will genau darüber aufklären und hat sich dafür mit 14 Designern und Labels zusammengeschlossen (u.a. auch ABURY), um die Wäschepflege zu revolutionieren und neue Waschgewohnheiten zu vermitteln. Durch das eingeführte Care Label “Don’t Overwash” soll dies mit der Kernaussage verdeutlichen, dass “viel hilft viel” heutzutage nicht mehr gilt.
Einige Teile des Don’t Overwash-Projekts finden sich in Tim Labendas Kollektion wieder. Diese und nähere Informationen zum Projekt stellte er selbst vor.

Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte aus den Vorträgen:

TIM LABENDA, DESIGNER

Tim Labenda ist Designer eines Modelabels in Berlin, das sich auf alte Handwerkstechniken und die Erhaltung von Herstellungstraditionen spezialisiert hat. Er ist ebenfalls einer der Designer, die zu dem Care Label Projects gehören. Seine Kollektionen stehen vor allem für Ruhe, Erwachsenes und das Klassische. Sie sollen Frauen, die mit beiden Beinen im Leben stehen, das richtige, zeitlose Outfit ermöglichen. Für Labenda ist Folgendes eines der wichtigsten Kriterien: Die Kleidung sollte lange halten und nicht nach einer Saison untragbar oder outdated aussehen. Was die Designs von Tim ebenfalls auszeichnet, ist der stetige Einsatz von handwerklicher Produktion und Wolle.

Dadurch sind WoolMark eines Tages auf ihn aufmerksam geworden und die Zusammenarbeit fing an. WoolMark bietet hochwertige, zertifizierte Wolle aus Neuseeland an, die Herr Labenda seitdem in all seinen Kollektionen verwendet.
Nach jahrelanger Kooperation kam Woolmark erneut auf Tim zu und bot ihm an, dass er am International Woolmark-Price teilnehmen kann. Bei der Preisvergabe geht es darum, besonders nachhaltig und kreativ mit Wolle zu arbeiten. Durch die Zusammenarbeit mit Webern in Italien, in der Kunstpelz aus Wolle entstanden ist, gewann Tim Labenda den Preis und kam so mit AEG in Kontakt, da diese und WoolMark ebenfalls kooperieren.
Anschließend wurde ihm angeboten,seine teuersten und aufwändigsten Stücke aus Wolle professionell von AEG reinigen zu lassen. Nach zwei Wochen kam eines der Kleider zurück und wurde so schonend gewaschen, dass Herrn Labenda erst nach genauerem Betrachten aufgefallen ist, dass es tatsächlich gereinigt und getrocknet wurde. Durch inkorrektes Waschen wäre dies wohlmöglich deutlicher zu erkennen gewesen, da Wollfasern oft gezerrt und verdreht werden, sodass sie Teile ihrer natürlichen Eigenschaften verlieren.Durch die Zusammenarbeit entstanden neue Carelabels wie z.B. „Don’t overwash!“. Dies soll den Konsumenten dazu führen vor dem Waschen zu überlegen, ob das Kleidungsstück wirklich schon wieder gewaschen werden muss. Gerade sehr teuere Kleidung sollte man nicht „überwaschen“, da die hochwertigen Materialien, die zur Herstellung verwendet wurden, nicht für wöchentliches Wäschen ausgelegt sind, sondern besondere Pflege benötigen.
Doch jeder Konsument sollte sich vor dem Waschen überlegen, ob die Klamotten die Reinigung wirklich benötigen. Denn die nachhaltige Kette, die vom Hersteller angestoßen wird, muss vom Konsumenten weitergeführt werden. Man sollte Wasser und Energie sparen, da dies neben dem Kleidungsstück auch der Umwelt zu Gute kommt.

MICHAEL WOLF, AEG WÄSCHE-EXPERTE

Michael Wolf ist Produktmanager für Waschgeräte bei AEG und ein Experte in Sachen “Pflege von Kleidungsstücken”. Die fängt bei der korrekten Interpretation der Care Labels an: Dass ein Bottich-Zeichen mit zwei Strichen zum Beispiel heißt, dass man maximal ein Feinwasch- oder Wollprogramm verwenden sollte, ist vielen Verbrauchern garnicht bewusst.

Das Handwäsche-Zeichen dagegen ist vielen bekannt, jedoch verbirgt sich hier der erste klassische Waschmythos: Ein Handwäsche-Zeichen bedeutet nämlich nicht, dass ein Kleidungsstück nicht in die Waschmaschine gehört. Tatsächlich ist es sogar so, dass durch die Handwäsche und die Reibung von Kleidung Textilien wie Wolle verfilzt und beschädigt wird. Viele der modernen Waschmaschinen haben ein Handwäsche-Programm, das die Wäsche ganz besonders schonend wäscht. Herr Wolf empfiehlt explizit, die Handwäsche und Wollschaukel der Maschine zu nutzen, da man ansonsten Gefahr läuft, die geliebten Wollteile zu verfilzen.

Weiter ging es mit dem Trockner-Zeichen. Ein Zeichen mit einem Punkt bedeutet, dass mit niedriger Temperatur getrocknet werden kann. Quadrate bedeuten immer: für den Trockner geeignet. Taucht ein Kreis in den Symbolen auf, handelt es sich um Materialien, die vorzugsweise chemisch gereinigt werden müssen. Aufgrund der eingesetzten Chemikalien ist die chemische Reinigung jedoch am schlimmsten für die Umwelt.
Um die chemische Reinigung zu vermeiden, kann man beispielsweise Dampf-Waschprogramme der AEG-Waschmaschinen nutzen und so innerhalb von 20 Minuten seine Anzugshose o.ä. reinigen lassen. Neben der korrekten Art zu waschen, kann man seine Kleidung auch an die frische Luft hängen und somit Energie sparen. Sollte man nun doch seine Wollstücke waschen und anschließend trocknen, kann man nun spezielle Trockner-Programme der neuen AEG-Trockner verwenden. Somit werden Umdrehungen der Maschine gezielter angepasst, um die Wäsche möglichst schonend zu trocknen. Genannt wird dies: Absolute Care System.
Auch wenn Kleidungsstücke mit einer schützenden, wasserabweisenden Schicht nach mehrmaligem Waschen brüchig werden, können die Bruchkanten durch die gleichmäßige Wärme wieder verschlossen werde. Ein Bügeleisen erzielt die selben Ergebnisse.

Zum Abschluss betont Herr Wolf, dass sich der Konsument stets überlegen sollte, ob das Kleidungsstück wirklich schon wieder gewaschen werden muss. Gerade Klamotten wie eine Jeans halten es auch eine längere Zeit ohne Wäsche aus.

Fragerunde:

  • Kann man Blazer in die Waschmaschine stecken?

Blazer müssen in die Reinigung, da diese oft per Hand verziert und mit Kleber oder ähnlichen Hilfsmitteln hergestellt werden. Der Kleber könnte sich in einer normalen Waschmaschine lösen. Ebenso müssen Hemden sorgfältig gewaschen werden, da der Hemdkragen sonst an Formechtheit verliert. Das Dampfprogramm der AEG-Maschinen wäre jedoch kein Problem, da dies die Kleidungsstücke nicht vollkommen durchnässt.

  • Wie verhindere ich Pilling bei meinem Baumwollpullover?

Es gibt Waschmittel, die mit Hilfe von Cellulasen dafür sorgen, dass die rausstehenden Fasern „abgefressen“ werden. Diese sind jedoch nie so hoch dosiert, dass das Pilling komplett aufhört. Es liegt laut Herr Wolf eher an der entstehenden Reibung und am Waschprogramm.
Ein Gast suggeriert die Nutzung eines Wollrasierers. Dessen Nutzen ist jedoch von der Faserlänge abhängig.

  • Eine Frage zur steigenden Auswahl der Waschmittel; braucht man so viele?

Auch wenn das Regal immer größer und bunter wird, reichen laut Herr Wolf drei verschiedene Waschmittel;
Vollwaschmittel ist durch das enthaltene Bleichmittel sehr gut für helle Wäsche, welche unbedingt getrennt gewaschen werden sollte. Natürlich gehört auch ein Color-Waschmittel dazu, welches keine Bleichmittel enthält. Wer öfters Wolle wäscht, benötigt dann nur noch ein Wollwaschmittel.

  • Gehört ein Brautkleid in die Waschmaschine?

Ohne das Kleid gesehen zu haben, ist eine Expertise schwierig. Es ist davon abhängig, wie gut das Kleid verarbeitet ist und wie schonend die Waschmaschine wäscht. Der Stoff an sich hält die Wäsche aus.

Wir danken unseren Partnern AEG & Dr. Hauschka!

BIS ZUM NÄCHSTEN MAL!