FABtalks #18
Care Labels
Wie viel Care für unseren Planeten steckt hinter den Symbolen?
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Die Idee hinter den FAB Talks ist, erfrischende Fashion-Talks in einem inspirierendem Umfeld mit Business-Networking auf innovative Weise zu verknüpfen, um damit spannende Diskussionen zum Thema Mode anzuregen und offene Fragen von Experten klären zu lassen. Die Vision ist es, ein interdisziplinäres Netzwerk aufzubauen und langfristig auch gemeinsam Projekte anzustoßen und umzusetzen.

Am 27. Oktober 2018 stand eine neue Runde FABtalks an, und wieder ging es in eine neue Stadt in Deutschland. Auf der wunderschönen Dachterrasse des F&K Studios brachten wir ein spannendes Thema nach Stuttgart: Care Lables – mit der Leitfrage “Wie viel Care steckt hinter den Symbolen?”. Eingeleitet wurde der Abend wieder einmal mit einer stimmungsvollen “Art” Komponente: Das Singer-Songwriter Duo DIPTYCH sorgten für ein entspanntes Flair bei Sonnenuntergang.

 

Nachhaltige Mode und das Care Label Project

Andrea Bury, Gründerin von ABURY und den FABtalks, führte die Gäste in das Thema des Abends ein. Wenn es um das Thema Nachhaltigkeit in der Mode geht wird immer wieder über nachhaltige Produktion gesprochen, und wie Designer und Hersteller ein Kleidungsstück nachhaltiger machen können, bevor es überhaupt in den Handel geht. Doch selten geht es darum, wie Konsumenten nachhaltiger mit ihren Kleidungsstücken umgehen können. Wie geht es mit einem Produkt weiter, nachdem es gekauft wurde und wie können Verbraucher dafür sorgen, dass ein Lieblingsstück ein Leben lang hält und nicht frühzeitig entsorgt werden muss?

Diese Frage hat ABURY mit dem Care Label Project von AEG verbunden: Care Labels sind veraltet und führen zu vielen Missverständnissen. Durch Fehlinformationen auf den Labels (die einfach nicht dem heutigen Technikfortschritt der Waschmaschinen und -trockner angepasst sind) werden Kleidungsstücke oft nicht angemessen gepflegt. Das Care Label Project will darüber aufklären und hat sich dafür mit 14 Designern und Labels zusammengeschlossen (u.a. auch ABURY), um die Wäschepflege zu revolutionieren und neue Waschgewohnheiten zu vermitteln. Durch das eingeführte Care Label “Don’t Overwash” soll dies verdeutlichen mit der Kernaussage, dass “viel hilft viel” heutzutage nicht mehr gilt.

 

Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte aus den Vorträgen:

TIM LABENDA, DESIGNER

Tim Labenda ist Designer einer Women’s Wear Brand in Berlin und auch einer der Designer, die Teil des Care Label Projects sind. Seine Kollektionen sind vor allem von Zeitlosigkeit geprägt. Für Tim Labenda ist dies eins der wichtigsten Kriterien: Ein Kleidungsstück sollte lange halten und man sollte es immer wieder neu kombinieren können und so ein Leben lang tragen und lieben. Was seine Produkte ebenfalls auszeichnet ist eine starke handwerkliche Produktion. Ähnlich wie auch ABURY glaubt Tim Labenda daran, dass man dem Aussterben von Kunsthandwerk entgegenwirken muss – deshalb werden in seinen Kollektion ausgefallene und traditionelle Techniken wie klöppeln, filzen oder Stickerei verwendet.

Laut Tim zeichnet sich ein Produkt vor allem durch das Material aus: bei einem tollen Material kann das Design noch so schlicht sein. Wolle gehört dabei zu den besondersten Materialien der Welt, da es sehr vielseitig ist. Der innovative Umgang mit Wolle hat dafür gesorgt, dass Tim Labenda den International Woolmark Preis gewonnen hat, und so auch mit AEG und dem Care Label Project in Verbindung gekommen ist (Woolmark und AEG arbeiten seit Jahren eng zusammen).

Als Designer redet man nicht gern über Care Labels. Tatsächlich ist es so, dass viele Designer die Care Labels in ihren Kleidungsstücke mit einem “Chemische Reinigung” Zeichen ausstatten, nur um Reklamationen zu vermeiden. Durch das Care Label Project wurde Tim Labenda aber davon überzeugt, dass dies absolut nicht notwendig ist, und hat seine Care Labels so angepasst, dass sie ein einfaches Wäscherezept beinhalten, unter der Überschrift: DON’T OVERWASH. Denn insbesondere ein Material wie Wolle muss und sollte nicht so oft gewaschen werden, wie man es vielleicht denkt. Nur weil ein Kleidungsstück hochpreisig ist, heißt es nicht gleich, dass es robuster ist – sondern eher, dass die Materialien und die Verarbeitung so hochwertig ist, dass man besonders sorgfältig damit umgehen sollte. Wie man das am besten tut, erfuhren wir im nächsten Vortrag.

 

MICHAEL WOLF, AEG WÄSCHE-EXPERTE

Als Produktmanager für Waschgeräte bei AEG ist Michael Wolf ein Experte in Sachen “Pflege von Kleidungsstücken”. Und die fängt bei der richtigen Interpretation der Care Labels an: Dass ein Bottich-Zeichen mit zwei Strichen zum Beispiel heißt, dass man maximal ein Feinwasch- oder Wollprogramm verwenden sollte, ist vielen Verbrauchern garnicht bewusst.

Das Handwäsche-Zeichen dagegen ist vielen bekannt, jedoch verbirgt sich hier der erste klassische Waschmythos: Ein Handwäsche-Zeichen bedeutet nämlich nicht, dass ein Kleidungsstück nicht in die Waschmaschine gehört. Tatsächlich ist es sogar so, dass durch die Handwäsche und die Reibung von Kleidung Textilien wie Wolle verfilzt und beschädigt wird. Viele der modernen Waschmaschinen haben ein Handwäsche-Programm, das die Wäsche ganz besonders schonend wäscht.

Weiter ging es mit dem Trockner-Zeichen. Ein Zeichen mit zwei Punkten bedeutet, dass mit hoher Temperatur getrocknet werden kann. Da die modernen Trockner meist Wärmepumpentrockner sind, die sehr effektiv, aber mit sehr niedriger Temperatur trocknen, ist dieses Zeichen ebenso missverständlich, wie das durchgestrichene Zeichen, das signalisiert, dass das Kleidungsstück nicht in den Trockner gehört. Durch die schonende Mechanik der modernen Trockner, können mittlerweile sogar empfindliche Materialien wie Wolle oder Seide getrocknet werden. Die Oberfläche von Seidentextilien wird durch das Trocknen sogar meist wesentlich weicher und geschmeidiger.

Zum Abschluss seines Vortrags gab uns Michael Wolf noch ein paar wertvolle Tipps zum Thema Nachhaltigkeit: Die chemische Reinigung sollte weitestgehend vermieden werden, auch wenn es das Care Label so vorschreibt. Hier sollte man sich fragen, ob das Kleidungsstück Verklebungen in der Verarbeitung hat (wie z.B. Sakkos). In dem Fall können sich diese bei der Berührung mit Wasser auflösen. In den meisten anderen Fällen kann ein Teil in dem entsprechenden Pflegeprogramm auch in der Waschmaschine gewaschen werden.

Dabei gilt: Mit niedrigen Temperaturen zu waschen ist oft völlig ausreichend was das Ergebnis angeht und nachhaltiger. Nur Unterwäsche und Bettwäsche sollte bei 60 Grad gewaschen werden – dies tut auch hin und wieder der Maschine gut, da sie sich so selbst reinigen kann. Außerdem sollten lange Waschprogramme den Kurzprogrammen vorgezogen werden, da sie energieeffizienter sind: Durch das schnelle Aufheizen ist der Energieverbrauch bei kurzen Programmen nämlich sehr hoch. Dazu kommt, dass Enzyme in den Waschmitteln oft einige Zeit brauchen um zu wirken, und deshalb bei Kurzprogrammen die Wirkung ausbleiben kann. Ein Kurzprogramm sollte demnach wirklich nur gewählt werden, wenn es wirklich schnell gehen muss.

Ein letzter wertvoller Tipp: Nicht immer alles direkt in die Waschmaschine geben, sondern erst einmal lüften, oder ein Dampfprogramm verwenden, soweit die Maschine das bietet. Während einem Dampfprogramm wird die Wäsche nicht komplett nass, sondern nur mit einem Dampf belegt. Diese Programme sind besonders energiesparend und gleichzeitig sehr wirkungsvoll.

FRAGERUNDE

In einer anschließenden Fragerunde wurden noch ein paar interessante Punkte angestoßen:

  • Um noch mehr auf die Bedürfnisse des Verbrauchers einzugehen, arbeitet AEG an einer App-Funktion, durch die die Maschine selbst konfiguriert werden kann. Es soll nur noch 10 vorinstallierte Programme geben, und je nach Belieben können über die App weitere Programme aktiviert werden.

 

  • Auf die Frage, wie sich nachhaltige Waschmittel von herkömmlichen Waschmitteln unterscheiden, klärte Michael Wolf uns auf: Die Abbaubarkeit der Tenside ist bei den nachhaltigen Mitteln anders und besser. Es werden Tenside eingesetzt, die teurer sind, dadurch sind auch die nachhaltigen Mittel oft teurer. Eine empfehlenswerte Marke ist zum Beispiel Frosch.

 

  • Ein weiteres spannendes Thema: Mikroplastik. AEG forscht derzeit bereits an Lösungen, die man das Problem der Mikroplastik im Wasser vermeiden kann, jedoch gibt es bisher nur Ansätze. Es gibt die Möglichkeit mit ganz feinen Filtern das Mikroplastik zu filtern, dadurch wird aber auch der Schmutz herausgefiltert und dann stellt sich die Frage, wie man den Filter reinigt und wie oft. Die momentane Lösung sind Waschbeutel, die die Mikroplastik auffangen und der Inhalt im Abfall entsorgt werden kann.

  • Zum Thema Unterwäsche gab es auch ein paar Fragen: Wie wasche ich Spitzenunterwäsche? Laut Michael Wolf sollte Spitze nicht bei 60 Grad gewaschen werden. Hier ist es am besten, ein 30 Grad Programm zu wählen und etwas Bleiche dazuzugeben – diese tötet die Bakterien ab.

 

  • Wie werden Bügel-BHs am besten gewaschen? Obwohl das auch zu den Waschmythen gehört, müssen Bügel-BHs nicht per Hand gewaschen werden. Man kann sie in einem normalen Waschgang waschen, sollte sie aber in einem Wäschenetz schützen. So wird vermieden, dass der Bügel aus dem BH wandern kann und andere Wäsche beschädigt. Das gleiche gilt übrigens auch für Turnschuhe: Einfach einzeln in ein Wäschenetz geben und dann mitwaschen – so werden andere Kleidungsstücke und die Wäschetrommel nicht beschädigt.

 

Wir danken unseren Partnern AEG, Flair Fashion&Home und Dr. Hauschka.

 

BIS ZUM NÄCHSTEN MAL!